Der kleine Ratgeber

Der Schwerpunkt meiner Hebam-
mentätigkeit liegt seit der Geburt meiner eigenen Kinder fast ausschließlich in der Wochen-
bettbetreuung und so kann ich sowohl aus eigener als auch aus beruflicher Erfahrung einige wichtige Empfehlungen für ein schönes Wochenbett geben:

Ruhe und Entlastung der Mutter
sind unerlässlich, dem Baby einen ruhigen Start ins Leben zu ermög-
lichen und diese Zeit zu einer unvergesslichen Phase in Ihrem Leben werden zu lassen. Keinesfalls sollte man die Energie, die man von der Natur für die Geburt und die Zeit danach bekommt vergeuden, indem man so schnell wie möglich wieder zur Tagesordnung übergeht und so sich selbst und seiner Umwelt beweisen möchte, wie gut und problemlos alles funktioniert. Viel-
mehr sollte die Wöchnerin, wie es früher war und in einigen Kulturen heute noch üblich ist, mindestens 14 bis 21 Tage, verwöhnt und fürstlich versorgt werden, um sich in Ruhe in die neue Situation einfinden zu können.

Schließlich finden nach der Geburt wichtige Veränderungen statt.

» Das Kennenlernen eines neuen Menschen, mit dem man eine lebenslange Verbindung haben wird

» Hormonelle und körperliche Umstellungs- und Heilprozesse

» Einfinden in eine zeitlich begrenzte, jedoch intensive "Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit"

» Erfahrungen mit dem zunächst sehr zeitaufwändigen Stillgeschäft


Der Partner kann die Wöchnerin unterstützen, indem er alle Alltags-
aufgaben wie z. B. Einkaufen, Kochen, Aufräumen übernimmt. Darüber hinaus sollte man früh-
zeitig, also bereits in der Schwangerschaft, eine Unter-
stützung für die zeitaufwändigen Dinge, wie Wäsche, Putzen und ähnliches, über einige Wochen organisieren, damit auch der frischgebackene Papa nicht fix und fertig aus dem Babyurlaub wieder zur Arbeit geht.

Ist keine Oma verfügbar, die diese Tätigkeiten übernehmen kann, sollte man überlegen, ob man bei all den Kosten für Babyausstattung, Kinderzimmer, Kinderwagen, Autositz etc., nicht auch ein paar Euro für eine Haushaltshilfe investieren kann.


 

Ruhe und Rituale für das Baby
Allem voran kann ich die Empfehlung geben in dieser ersten Zeit strikt Besuch abzuschirmen und nach den ersten Besuchsterminen durch Omas und Opas, unmittelbar nach der Geburt, in die „Babyflitterwochen“ zu gehen. Sehen sie sich als 3 frisch Verliebte, die die Zurückgezogenheit nutzen, sich näher kennenzulernen.

Dem Baby, welches die größte Umstellung durchleben muss, können Sie helfen, sich schneller in Sicherheit zu fühlen, indem Sie den Tagesablauf strukturieren, d. h. die tägliche Körperpflege, Massage, den täglichen Spaziergang und ähnliches, möglichst zur gleichen Tageszeit durchführen. Bringen Sie einen Heizstrahler über dem Wickeltisch an, denn auch die gleichbleibende Wärme ist dem Kind etwas aus der Schwangerschaft Vertrautes. Ein Kind, welches ohne vorhandene Wärmequelle auf dem Wickeltisch gewaschen wird, friert.

Betten Sie das Kind zunächst zum Schlafen immer am gleichen Platz, also nicht mal auf dem Sofa, mal im Elternbett, mal im Kinderbett, mal im Kinderwagen, denn auch dieser Wechsel bringt Unruhe.

Ebenso ist es mit häufigen Besuchen, auf die die Babys meist erst zeitversetzt mit Unruhe und Schreien reagieren. Auch sollte man Besuche außer Haus (Einkäufe, Geburtstagsfeiern, Kirmes etc.) in der ersten Zeit vermeiden, da dies für ein Neugeborenes eine Reizüberflutung bedeutet, worauf es erfahrungsgemäß wieder mit Unruhe reagiert.

Die Wirkung dieser Verhaltensmaßnahmen im Wochenbett zeigen sich nachhaltig. Die Wöchnerin haushaltet mit ihren Kraftreserven, der Partner kann den Säugling kennenlernen und das Kind hat einen ruhigen und sanften Start ins Leben.

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